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  • melaniegiesler

1 Jahr Tom

Genau vor einem Jahr habe ich mein Seelenpferd, mein Lehrer, ja meinen Seelengefährten gefunden. Ich bin allein losgefahren um ihn mir anzuschauen und er hat mich sofort verzaubert. Es hieß in der Anzeige, er sei panisch und nicht reitbar. Während des Spaziergangs den wir mit ihm machten, zeigte er sich von seiner besten Seite, schon fast vorbildlich. Rückblickend weiß ich, er hat gewusst worum es geht und wollte unbedingt zu mir. Wenige Tage und einige Wunder später unterschrieb ich den Kaufvertrag und wir holten ihn ab. Es fühlte sich an, als sei ich ein Stück vollständiger, Ganzer geworden. Er hatte mir tatsächlich in meinem Leben gefehlt ohne das ich es wusste. Es begann eine spannende Zeit, denn schnell zeigte er, was die Vorbesitzerin meinte. Er ließ sich wochenlang nicht halftern geriet in Panik wenn man auf ihn zuging und war völlig nervös. Ich suchte mir Hilfe und wollte ihn im Frühjahr diesen Jahres in einen Therapiestall stellen. Dies war offensichtlich nicht der Zeitrahmen den Tom sich vorgestellt hatte. So erhöhte er und auch generell das Außen den Druck, so das ich unter Tränen am 23.12. nochmal in dem Therapiestall anrief und fragte ob wir früher kommen konnten. 'Zufällig' zog genau in dem Moment meines Anrufes jemand aus und ich konnte Tom bringen. Alle Rädchen griffen ineinander und so fuhren wir gegen frühen Nachmittag los. Heute weiß ich, nicht Tom war zur 'Therapie' weg, sondern ich. In diesem wunderbaren Stall lernte ich viele Menschen kennen, die mich so annahmen wie ich bin. Die mich in meinen Stärken und Fähigkeiten unterstützt haben und die Tom für sein Verhalten niemals verurteilten, sondern ebenfalls sahen, welche Traumata in ihm schlummerten. Ich lernte meiner Intuition zu vertrauen und mit Tom, aber auch anderen Pferden, zu kommunizieren. Ich wurde sicherer im Umgang mit Tom, unter anderem weil ich bei Spaziergängen begleitet wurde, wo wir Toms Verhalten besprechen konnten und mir meine Unsicherheit nehmen konnten, etwas falsch gemacht zu haben. Nach etwa 4 Monaten sagte mir Tom er möchte nach Hause. Ich wäre nun so weit den Rest mit ihm alleine zu machen. Er war immer noch nicht reitbar, geschweigedenn das man ihn satteln konnte. Ich wurde wirklich auf die Probe gestellt, aber ich hatte keine Wahl, denn Tom war richtig doof zu mir. Er lief weg, ignorierte mich und legte sogar die Ohren an. Weil ich mir in dem Moment selbst nicht vertraute, fragte ich die lieben Menschen am Stall, was Tom mir mitzuteilen hatte. Und sie bestätigten mir das er 'nach Hause' will. Ich war völlig überfordert und habe ihn erstmal angeschrien, wie er das von mir erwarten kann, das ich das nicht kann und überhaupt nicht weiß was ich tun soll. Er stand dort seelenruhig und fraß wie selbstverständlich sein Heu. Er wartet quasi bis ich mich beruhigt hatte und ins Tun kam.

Heute, ein Jahr später, sind wir ein Team. Er ist noch nicht reitbar, aber wir gehen spazieren, ganz entspannt, er ist in keinerweise mehr panisch. Er erschreckt sich, aber dafür ist er auch Pferd. Er orientiert sich an mir, weil er weiß, ich höre ihm zu und verlange nichts, was er nicht leisten kann. Wir gehen Schritt für Schritt mit Respekt, Liebe und Geduld.

Für mich ist klar, er wird mich auf seinem Rücken tragen, genau dann wenn der richtige Zeitpunkt da ist und dann wird es perfekt sein. Pferde sind unsere Begleiter, sie zeigen uns unsere Stärken und Schwächen, ungefiltert und ungehemmt. Das kann hart sein, aber vielmehr bereichernd. Mit keinem Tier an unserer Seite können wir mehr wachsen und in unsere Kraft kommen.

Viele Menschen auf unserer bisherigen Reise können nicht verstehen, warum ich mir ein 'Problempferd' gekauft habe. Für mich ist er kein Problempferd sondern der beste Lehrer den ich mir hätte wünschen können.





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